Das 19. Jahrhundert war die goldene Epoche Baden-Badens. In diesen Jahrzehnten verwandelte sich der einstige Badeort in einen mondänen Treffpunkt des europäischen Hochadels, der Künstler und der Wohlhabenden. Zeitgenossen sprachen von der „Sommerhauptstadt Europas”, und dieser Ruf war keineswegs übertrieben.
Kurhaus, Casino und höfischer Glanz
Den Auftakt bildete der Bau des Konversationshauses, des heutigen Kurhauses, das der Architekt Friedrich Weinbrenner zwischen 1821 und 1824 im klassizistischen Stil errichtete. Es wurde zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der Stadt. Bereits ab 1824 wurde hier Glücksspiel angeboten, doch den entscheidenden Aufschwung brachten der Unternehmer Jacques Bénazet und sein Sohn Édouard Bénazet, die ab 1838 die Spielbank pachteten.
Unter den Bénazets erlebte Baden-Baden seine gesellschaftliche Blüte. Sie ließen die Räume prachtvoll ausstatten, organisierten Konzerte, Bälle und Feste und machten die Stadt zur ersten Adresse der eleganten Welt. Wer mehr über dieses Gebäude erfahren möchte, findet Details im Beitrag zur Entwicklung des Kurhauses.
Die Eisenbahn und der große Zustrom
Ein technischer Fortschritt beschleunigte den Aufstieg zusätzlich: Ab 1845 erhielt Baden-Baden Anschluss an das Eisenbahnnetz. Nun konnten Gäste aus Paris, Berlin, Wien oder Sankt Petersburg bequem anreisen. Der Zustrom prominenter Besucher wuchs stetig. Fürsten, Diplomaten, Schriftsteller und Komponisten gehörten zu den regelmäßigen Gästen, und viele von ihnen zählen bis heute zu den berühmten Persönlichkeiten der Stadtgeschichte.
Parallel entstand mit der Lichtentaler Allee eine großzügige Flaniermeile entlang der Oos, gesäumt von seltenen Bäumen und gepflegten Gärten. Seit 1858 lockte zudem das internationale Pferderennen in Iffezheim, die spätere „Große Woche”, sportbegeistertes Publikum aus ganz Europa an. Auch die Bäderkultur wurde weiter ausgebaut, wie sich am Bau des Friedrichsbades ab 1869 zeigte.
Das Ende einer Ära
So glanzvoll die Jahrzehnte waren, ein tiefer Einschnitt kam 1872. Das neu gegründete Deutsche Reich verbot das Glücksspiel reichsweit, und die berühmte Spielbank Baden-Badens musste schließen. Die Stadt verlor damit eine ihrer größten Attraktionen. Doch sie erwies sich als wandlungsfähig: Statt sich auf das Casino zu stützen, richtete sie sich verstärkt auf den Bade- und Gesundheitstourismus aus. Aus dem Spielerparadies wurde ein anerkannter Heilbad- und Erholungsort. Wie sich dieser Wandel im Detail vollzog, schildert der Beitrag zur Entwicklung des Fremdenverkehrs.