Die Geschichte Baden-Badens ist untrennbar mit der Geschichte des Reisens verbunden. Über zwei Jahrhunderte hat sich die Stadt vom kleinen Badeort zu einem der bekanntesten Fremdenverkehrsziele Europas entwickelt. Der Weg dorthin führte über technische Neuerungen, gesellschaftliche Moden und einen tiefgreifenden Wandel des Tourismus.
Die Eisenbahn als Motor
Den entscheidenden Anstoß gab die Eisenbahn. Ab 1845 erhielt Baden-Baden Anschluss an das wachsende Schienennetz, und mit einem Schlag rückte die Stadt in greifbare Nähe der europäischen Metropolen. Gäste aus Paris, Berlin, Wien oder Sankt Petersburg konnten nun bequem anreisen, und der Zustrom von Besuchern nahm rasch zu.
In der Folge blühte Baden-Baden zur „Sommerhauptstadt Europas” auf. Der europäische Hochadel, wohlhabende Bürger, Künstler und Diplomaten verbrachten hier ihre Sommer. Viele von ihnen zählen heute zu den berühmten Persönlichkeiten, die den Ruf der Stadt mitprägten. Dieser Aufschwung ist eng mit den Ereignissen verknüpft, die der Beitrag zu Baden-Baden im 19. Jahrhundert beschreibt.
Die Belle Epoque
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entfaltete sich die Belle Epoque Baden-Badens in voller Pracht. Die Lichtentaler Allee wurde zur eleganten Flaniermeile, gesäumt von seltenen Bäumen und gepflegten Parkanlagen. Kurhaus, Trinkhalle und die vornehmen Badehäuser bildeten den Rahmen für ein glanzvolles gesellschaftliches Leben.
Ein weiterer Anziehungspunkt entstand 1858 mit den internationalen Pferderennen im nahen Iffezheim. Die spätere „Große Woche”, getragen vom Internationalen Club, machte Baden-Baden auch für ein sportbegeistertes Publikum attraktiv und lockte alljährlich Gäste aus ganz Europa an. Der Fremdenverkehr wurde damit zum wirtschaftlichen Rückgrat der Stadt.
Wandel zum Gesundheitstourismus
Das reichsweite Verbot des Glücksspiels führte 1872 zur Schließung der Spielbank und stellte den Fremdenverkehr vor eine Bewährungsprobe. Baden-Baden meisterte den Wandel, indem es sich verstärkt auf seine ureigene Stärke besann: die Kur. Aus dem mondänen Spielerparadies wurde ein anerkannter Bade- und Gesundheitsort, der Erholung, medizinische Behandlung und Wohlbefinden in den Mittelpunkt stellte.
Dieser Wandel zum Gesundheitstourismus sicherte der Stadt ihre Zukunft. Bis heute reisen Besucher aus aller Welt an, um in den historischen Bädern und Thermen zu entspannen und in den Hotels der Stadt zu logieren. So ist Baden-Baden über alle Epochen hinweg das geblieben, was es seit der Eisenbahnzeit war: ein Ziel für Reisende, die Erholung, Kultur und Genuss suchen.