Das Kurhaus ist das prächtige Herzstück Baden-Badens und seit fast zwei Jahrhunderten der gesellschaftliche Mittelpunkt der Stadt. Seine Geschichte spiegelt den Aufstieg Baden-Badens zur mondänen Kurstadt ebenso wider wie die Wechselfälle des Glücksspiels.
Weinbrenners Konversationshaus
Errichtet wurde das Gebäude zwischen 1821 und 1824 nach Plänen des badischen Baumeisters Friedrich Weinbrenner, eines der bedeutendsten Architekten des Klassizismus in Deutschland. Ursprünglich als Konversationshaus bezeichnet, sollte es den Kurgästen einen repräsentativen Ort für Begegnung, Unterhaltung und Geselligkeit bieten. Die klassizistische Fassade mit ihrer stattlichen Säulenreihe prägt bis heute das Bild der Stadt und gehört zu den markantesten Sehenswürdigkeiten Baden-Badens.
Schon bald nach der Eröffnung kam eine Attraktion hinzu, die den Ruf des Hauses weit über die Region hinaustragen sollte: das Glücksspiel. Bereits ab 1824 wurde im Kurhaus gespielt.
Die Bénazets und die Blütezeit
Zum glanzvollen Mittelpunkt Europas wurde das Kurhaus unter der Leitung der Familie Bénazet. Ab 1838 pachtete Jacques Bénazet die Spielbank, und sein Sohn Édouard Bénazet führte das Werk mit großem Aufwand fort. Die Bénazets ließen die Innenräume prunkvoll im Stil französischer Schlösser ausgestalten und veranstalteten Konzerte, Bälle und Feste, die den europäischen Hochadel anzogen.
In dieser Epoche wurde Baden-Baden zur „Sommerhauptstadt Europas”, und das Kurhaus war ihr strahlendes Zentrum. Zu den Gästen zählten Fürsten, Diplomaten und Künstler, von denen viele zu den berühmten Persönlichkeiten der Stadt gehören. Die prachtvollen Spielsäle, die noch heute besichtigt werden können, zeugen von diesem einstigen Glanz.
Schließung und Wiedereröffnung
Das reichsweite Verbot des Glücksspiels führte 1872 zur Schließung der Spielbank. Für das Kurhaus bedeutete dies einen Einschnitt, doch das Gebäude blieb als gesellschaftlicher Treffpunkt und Veranstaltungsort erhalten. Erst 1933 wurde die Spielbank wiedereröffnet und knüpfte an ihre alte Tradition an.
Bis heute vereint das Kurhaus die Spielbank, elegante Festsäle und Räume für Konzerte und Veranstaltungen unter einem Dach. Es ist ein lebendiges Denkmal der Belle Epoque geblieben und ein Anziehungspunkt für Besucher aus aller Welt. Wer die Geschichte weiter verfolgen möchte, findet im Beitrag zu Baden-Baden im 19. Jahrhundert den größeren Rahmen, in dem das Kurhaus zu seiner Blüte gelangte.