Die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts markieren einen tiefen Einschnitt in der Geschichte Baden-Badens. Die Stadt, die im 19. Jahrhundert als „Sommerhauptstadt Europas” gegolten hatte, verlor mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 nahezu über Nacht ihr internationales Publikum. Der Zweite Weltkrieg hingegen ging vergleichsweise glimpflich an der Stadt vorüber, was ihr historisches Stadtbild bis heute prägt.
Der Erste Weltkrieg und das Ende der mondänen Saison
Vor 1914 lebte Baden-Baden von seinen internationalen Gästen. Aristokraten, Künstler und Vermögende aus ganz Europa kamen zur Kur, und besonders die zahlreichen russischen Besucher gehörten zum festen Bild der eleganten Saison. Mit Kriegsbeginn brach dieser Zustrom abrupt ab. Die ausländischen Gäste, allen voran die Russen, blieben aus, und die glanzvolle internationale Kur-Saison, die den Ruf der Stadt begründet hatte, fand ein jähes Ende.
Baden-Baden stellte sich in den Dienst des Krieges und diente unter anderem als Lazarettstadt. Viele der komfortablen Hotels und Kurhäuser, die zuvor betuchte Reisende beherbergt hatten, wurden zur Versorgung verwundeter Soldaten genutzt. Die mondäne Welt der Belle Époque, die das Bild der Stadt im 19. Jahrhundert bestimmt hatte, war damit endgültig Vergangenheit. Die Kur-Tradition selbst überdauerte zwar, doch ihr Charakter veränderte sich in den folgenden Jahrzehnten grundlegend.
Der Zweite Weltkrieg und das erhaltene Stadtbild
Während viele deutsche Städte im Zweiten Weltkrieg schwere Zerstörungen durch Luftangriffe erlitten, blieb Baden-Baden vergleichsweise verschont. Die Innenstadt mit ihren prächtigen Villen, Hotels und Kurbauten überstand den Krieg weitgehend ohne größere Bombenschäden. Das historische Zentrum, das über Generationen gewachsen war, blieb in seiner Substanz erhalten.
Dieser Umstand ist bis heute von großer Bedeutung. Anders als in vielen Städten, deren historische Bausubstanz im Bombenkrieg verloren ging, konnte Baden-Baden sein charakteristisches Erscheinungsbild bewahren. Die elegante Architektur des 19. Jahrhunderts, die Prachtbauten entlang der Lichtentaler Allee & Kurpark und die gewachsene Struktur der Innenstadt prägen den Ort noch heute. Dass die Stadt 2021 als Teil der „Great Spa Towns of Europe” in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurde, verdankt sie nicht zuletzt diesem gut erhaltenen baulichen Erbe.
Ein zwiespältiges Erbe der Kriegsjahre
Die Weltkriege hinterließen in Baden-Baden ein zwiespältiges Erbe. Einerseits beendete der Erste Weltkrieg die glanzvolle Epoche als internationaler Treffpunkt der europäischen Gesellschaft. Andererseits sorgte die weitgehende Verschonung im Zweiten Weltkrieg dafür, dass die Stadt ihren historischen Charakter bewahren konnte. Nach 1945 begann unter neuen politischen Vorzeichen ein Kapitel des Wiederaufbaus und der Neuorientierung, das die weitere Entwicklung der Stadt prägen sollte und das im Beitrag zur Kurstadt weiterverfolgt wird.