Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 begann für Baden-Baden ein neues Kapitel unter grundlegend veränderten politischen Vorzeichen. Die Stadt lag in der französischen Besatzungszone und übernahm rasch eine besondere Rolle innerhalb dieser Zone. Was zunächst als Folge der Niederlage begann, prägte das gesellschaftliche und kulturelle Leben der Stadt über Jahrzehnte hinweg.
Baden-Baden in der französischen Besatzungszone
Baden-Baden wurde zum Sitz und Hauptquartier der französischen Streitkräfte in Deutschland. Zahlreiche französische Soldaten und ihre Familien lebten und arbeiteten über viele Jahre in der Stadt und prägten das Alltagsleben ebenso wie die Wirtschaft. Diese enge Verbindung zu Frankreich verlieh Baden-Baden in der Nachkriegszeit eine internationale Note, die an frühere Zeiten als weltoffener Kurort anknüpfte, wenn auch unter völlig anderen Bedingungen.
Die französische Präsenz blieb bis zum Abzug der Truppen in den 1990er Jahren bestehen. Über Jahrzehnte war die militärische Verwaltung ein bestimmender Faktor für die Stadtentwicklung. Erst mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Rückzug der Streitkräfte endete diese Epoche, und die frei gewordenen Flächen und Gebäude eröffneten neue Möglichkeiten für die zivile Nutzung.
Der Südwestfunk und die kulturelle Neuausrichtung
Ein weiterer Faktor prägte das Nachkriegs-Baden-Baden nachhaltig: Der Südwestfunk (SWF) hatte hier seinen Sitz. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt machte die Stadt zu einem bedeutenden Medienstandort im Südwesten Deutschlands. Mit dem Sender kamen Journalisten, Musiker und Kulturschaffende, die dem gesellschaftlichen Leben neue Impulse gaben. 1998 ging der SWF im neu gegründeten Südwestrundfunk (SWR) auf, doch Baden-Baden blieb ein wichtiger Standort dieser Anstalt.
Parallel dazu wandelte sich die traditionsreiche Kur. Die glanzvolle Epoche des 19. Jahrhunderts kehrte nicht zurück, doch die Stadt fand neue Wege. Der Kurbetrieb entwickelte sich vom mondänen Gesellschaftsvergnügen hin zu einem modernen Gesundheits-, Wellness- und Kulturtourismus. Ein Meilenstein dieser Neuausrichtung war die Eröffnung des Festspielhauses 1998, das Baden-Baden als Bühne für internationale Musik- und Theaterproduktionen etablierte.
Der Weg in die Gegenwart
Die Nachkriegsjahrzehnte formten das moderne Baden-Baden. Aus der Garnisonsstadt der französischen Streitkräfte und dem Medienstandort des Rundfunks entwickelte sich eine Stadt, die ihr historisches Erbe mit neuen kulturellen Aufgaben verband. Der Wandel des Kurbetriebs zum Gesundheits- und Kulturtourismus sicherte die wirtschaftliche Basis. Wer die heutige Bedeutung der Kurstadt verstehen will, findet in dieser Zeit die entscheidenden Wurzeln. Auch die zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Stadt sind ohne diese Phase der Neuorientierung kaum zu erklären.